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Anmut im märkischen Sand. Die Frauen der Hohenzollern.

Aufbau Verlag, Berlin 2015.

Friedrich I. (1371-1440) engagierte sich treu in der unspektakulären Region am äußersten Rand des Heiligen Römischen Reiches, seine Nachfahren taten es ihm gleich und bauten peu à peu die Vormachtstellung des lange Zeit ärmsten und rückständigsten Kurfürstentum aus. Mehr als fünfhundert Jahre in Folge hielt sich die Familie in der Mark. Unter ihrer Ägide wurde aus dem kargen, wenig ertragreichen Landstrich ein prosperierendes Königreich. Was an Preußen heute fasziniert, ist vor allem das kulturelle Erbe, das seine Regenten hinterlassen haben. Seien es herrliche Schloss- und Parkanlagen wie Charlottenburg oder Sanssouci, die Schinkelbauten, die bis heute die Straßen im Herzen Berlns säumen, Theater Museen oder Universitäten. Seien es bedeutende Komponisten wie Johann Sebastian Bach oder Carl Maria von Weber, die sich hier inspirieren ließen, oder Texte von Kleist oder E.T.A. Hoffmann, die hier entstanden. All dies strahlt bis in unsere Gegenwart hinein. Christine von Brühl zeigt erstmals auf, wie groß hierbei der Einfluss der Frauen der Familie Hohenzollern war.

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Leseprobe

Mit Preußen wird gemeinhin soldatische Strenge und Disziplin assoziiert. Unvergessen bleibt das Urteil, mit dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) seinen Ältesten, Friedrich (1712–1786), bestrafte, weil der Junge mit seinem Freund Hans Hermann Katte (1704–1730) versucht hatte, dem Militärdienst zu entfliehen. Friedrich musste dabei zusehen, wie der Leutnant zum Tod verurteilt und enthauptet wurde.
Ungerecht waren auch die Anschuldigungen, mit denen derselbe Friedrich später, als er König geworden war, seinen Bruder August Wilhelm von Preußen (1722–1758) im Siebenjährigen Krieg mit seinen Generälen konfrontierte. Der König behauptete, der Bruder habe den Abzug
seiner Soldaten verzögert und sie absichtlich ins Verderben geführt, dabei war es Friedrich selbst gewesen, der den Aufenthalt befohlen hatte. Sie hätten alle miteinander verdient, ließ Friedrich seinen Stab wissen, die Köpfe zu verlieren. Die öffentliche Abfuhr löste bei August Wilhelm ein seelisches Debakel aus, von dem er sich nie wieder erholte. Noch vor Ende des Krieges verstarb er.
Wer jedoch heute das Land besucht, in dem die Hohenzollern einst herrschten, interessiert sich weder für Disziplin noch für soldatische Strenge. Er besichtigt Potsdam mit seinen Schlössern und Parks, besucht die Museumsinsel in Berlin mit ihren Sammlungen von Weltrang, spaziert die Prachtstraße Unter den Linden entlang und bewundert die klassizistischen Bauten. Eine Vielzahl dieser Schönheiten des Landes verdanken wir allerdings nicht seinen Herrschern, sondern deren Ehefrauen. Während sich die Kurfürsten, Könige und Kaiser um Politik und Machterhalt kümmerten, bemühten sich ihre Ehegattinnen um den Bau von Schlössern, Gärten und Kirchen, die Förderung von Künstlern und Literaten oder stifteten soziale Einrichtungen. Wenn die Bürger eine neue Kirche brauchten, wandten
sie sich nicht an den König, sondern an die Königin.
So ist es der Initiative von Louise Henriette von Oranien, der Frau des Großen Kurfürsten (1620–1688), zu verdanken, dass eine Fülle bedeutender Architekten und Landschaftsgestalter, Künstler und Gelehrter, ja nicht zuletzt von Ingenieuren und Fachleuten im 17. Jahrhundert ihren Weg aus den wirtschaftlich blühenden Niederlanden nach Brandenburg fand. Sie bauten das nach dem Dreißigjährigen Krieg zerstörte und entvölkerte Land wieder auf, halfen beim Einrichten von Wohnbauten und Entwässerungsanlagen und brachten Gewerke und Fertigkeiten in die Region, die hierzulande noch keiner kannte. Auch Sophie Charlotte von Hannover, zweite Ehefrau Friedrichs I. (1657–1713), konnte einbringen, was sie ihren neuen Untertanen an Bildung und Weltoffenheit voraus hatte. Sie ließ sich in Lietzenburg ein Lustschlösschen bauen und gründete dort einen Musenhof von europäischem Rang. Nach ihrem Tod wurde das Anwesen nach ihr Charlottenburg genannt. Luise von Mecklenburg-Strelitz subventionierte Heinrich von Kleists literarisches Schaffen mit Geldern aus ihrer Privatschatulle. Victoria von Großbritannien ließ das Neue Palais in Potsdam renovieren und englische Bäder einrichten und Auguste Victoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, die sogenannte »Kirchenjuste«, sorgte für den Bau und die Einweihung unzähliger neuer Kirchen.
Dieses Engagement war keine Selbstverständlichkeit, denn ursprünglich stammte keine dieser Frauen aus Preußen. Meist waren sie bei ihrer Heirat noch sehr jung, Sophie Charlotte war beispielsweise erst fünfzehn, und selbstverständlich galten solch eine Heirat und die damit
verbundene Trennung von der Familie für die Ewigkeit, denn Scheidung war eigentlich keine Option. Hinzu kam, dass das neue Zuhause meist weit weg und mangels guter Straßen und moderner Fortbewegungsmittel schwer erreichbar war. Je weiter die einstige Heimat von der neuen Residenzstätte entfernt war, desto unwahrscheinlicher war es, dass die junge Braut ihre Familie jemals wiedersehen würde.
Fortan hatte der Ehemann für sie zu sorgen, und sie hatte dem Angetrauten und seinen Verwandten treu ergeben zu sein, denn sie gehörte von einem Tag auf den anderen zu einer neuen Familie. Sie musste die vielen Gesichter kennen lernen, die durch ihre Heirat neu in ihr Leben gekommen waren, die Zusammenhänge und Verwandtschaftsgrade zwischen den unterschiedlichen Menschen erfassen, die dazu gehörten, und sich bald auch in der Geschichte und den Traditionen der Schwiegerfamilie auskennen. Sie musste lernen, ihre Sprache zu sprechen und sich den Ritualen unterzuordnen, die hier herrschten. Manch eine wechselte dafür sogar ihre Konfession.
Das war insbesondere von Bedeutung, da jede von ihnen gerade den Ältesten der Familie geheiratet hatte. Er übernahm traditionsgemäß die Hauptverantwortung für den Fortbestand der Familie, verwaltete das Erbe und war überdies der Thronfolger. Früher oder später würden diese Frauen an der Seite ihres Mannes über die Geschicke eines ganzen Landes mitbestimmen.
Ihre vorrangigste Aufgabe war, möglichst bald möglichst viele Kinder zu gebären, insbesondere Jungen. Viele Herrscherinnen, von denen in diesem Buch die Rede sein
wird, brachten Jahr um Jahr ein Neugeborenes zur Welt. Das war eine Selbstverständlichkeit. Wer als Frau diese Aufgabe, deren glücklichen Ausgang schließlich niemand in der Hand hat, nicht erfüllen konnte, hatte ein unlösbares Problem.
Bei jeder Geburt ging es um Leben und Tod – sowohl für den Säugling als auch für die Mutter. Doch bei der hohen Rate an Säuglings- und Kindersterblichkeit durfte es keinesfalls nur einen möglichen Thronfolger geben. Bei der Heirat Luises von Mecklenburg-Strelitz wurde beispielsweise vertraglich vereinbart, dass sie eine festgelegte Summe zur Disposition erhalten solle, die sich bei der Geburt eines Sohnes erheblich erhöhen würde. Bei der Geburt einer Tochter war derlei nicht vorgesehen.
Aus der Perspektive einer Monarchie waren Frauen, die keine Kinder gebaren, eine Existenzbedrohung. Es ging um den unbedingten Erhalt der Familie, gleichzeitig um die wachsende Zahl ihrer Mitglieder. Nur dann waren die jeweiligen Erstgeborenen in der Lage, den Hegemonialanspruch ihres Hauses dauerhaft aufrecht zu erhalten. Erbe wurde immer nur der älteste Sohn, der aus der Verbindung mit der standesgemäß ersten, rechtmäßigen Ehefrau entstanden war. Lieblingsneffen galten nicht, Kinder, die in außerehelichen Verbindungen entstanden waren, gleich gar nicht, Adoptionen waren ausgeschlossen. Starb der Älteste, rückte der im Alter nächste Bruder nach. Die Verantwortung wurde nie geteilt. Diese Regelung war, insbesondere in Preußen, oberstes Gesetz.
Darüber hinaus hatte die Eheschließung mit einem Thronfolger ihre eigene Brisanz. Heirat war immer auch mit Politik verbunden, mit Macht und der Erschließung dauerhafter Netzwerke. Von Gefühlen konnte hier kaum die Rede sein. Es war die Möglichkeit, zwei Herrschaften im Frieden miteinander zu vereinen und den Besitz eines der beiden Häuser zu mehren. Während es in dieser Zeit primär um den Erhalt einer Herrschaft ging, war es in
zweiter Linie wichtig, sie geographisch zu erweitern und ihre Einflussnahme zu vergrößern.
Hatten die Frauen alle Anfangsschwierigkeiten überwunden, hatten sie sich im Haus und vor ihren Angestellten Respekt und Ansehen erworben und einen ersten potentiellen Thronfolger geboren, hatten sie eine Persönlichkeit entwickelt, die ihnen kraftvolles Auftreten und e in selbstbestimmtes Wesen erlaubte, konnten sie sich schließlich vielleicht auch noch dem Bau von Schlössern und Kirchen widmen. Dabei halfen ihnen die finanziellen Mittel, die sie mit in die Ehe gebracht hatten. Um ihnen den Neubeginn zu erleichtern, waren sie – im besten Fall –
mit kostbaren Gütern und hohen Geldbeträgen ausgestattet worden: der sogenannten Mitgift. Sie war innerhalb der Familie gesammelt und angeschafft worden, während die Braut heranwuchs. Vorzugsweise handelt es sich um Gegenstände von besonders guter Qualität und hohem Wert, denn sie sollten möglichst lang, wenn nicht gar ewig halten. Es waren, was das Wort Mit-Gift auch etymologisch bedeutet, Geschenke, kostenlose Gaben, die keinesfalls zurückgefordert werden konnten.
Die Eheschließung fand auf der Basis eines Vertrags statt. Die Lebensumstände der jungen Frau wurden genau festgelegt. Es sollte ihr auch in Zukunft an nichts mangeln. Je vornehmer und wohlhabender das Haus war, aus dem sie stammte, je umfassender die Mitgift und reicher die Geschenke, desto präziser waren die Verträge. Alle Einzelheiten wurden vorab geregelt und festgeschrieben, Ausstattung, Anzahl des Personals, Schmuck und andere Gegenstände,
die auch nach der Heirat im Besitz der Frau zu verbleiben hatten – jedes Detail wurde vereinbart und gesichert. Insbesondere der Witwensitz und seine angemessene
Qualität wurden vorab festgehalten.
Die Mitgift war viel wert, manche Frauen brachten ganze Ländereien und Güter mit in die Ehe. Es waren Geschenke für ihre neuen Familien. Sie wurden der Herrschaft des Ehemannes zugeschlagen und gingen der ursprünglichen Kernfamilie verloren. Es waren nun keine Oranier, keine Welfen mehr, die in diesen Gebieten regierten, sondern Brandenburger. Die dortigen Bewohner hatten sich damit abzufinden. Preußen verdankt sogar seine Ursprünge, das Land, von dem es seinen Namen bekam, dem Mitbringsel einer Ehefrau. Anna von Preußen (1576–1625) brachte das Herzogtum mit in die Ehe, auf dessen Basis später das Königreich Preußen entstand. 1594 heiratete sie Johann Sigismund von Hohenzollern (1572–1619), Kurfürst von Brandenburg, und da ihre Brüder das Erwachsenenalter nicht erreichten, erbte sie 1618, als ihr Vater verstorben war, das Land ihrer Herkunft. Obwohl es dorthin keine geographische Verbindung gab, nannten sich die Hohenzollern fortan Kurfürsten von Brandenburg und Herzöge von Preußen.
Die Herrschaft war erblich. Zahlreiche Erstgeborene der Familie kamen in Königsberg, der Residenzstadt Preußens, auf die Welt. 1701 ließ sich Friedrich I. dort als erstes Mitglied der Dynastie zum König in Preußen krönen. Sämtliche Thronfolger der Familie Hohenzollern folgten diesem Beispiel und reisten zu ihrer Krönung nach Königsberg.
Anna war eine eigenwillige Frau. Sie galt nicht als sonderlich attraktiv, hatte einen starken Willen und war äußerst temperamentvoll. Wenn sich ihr Mann, der Kurfürst, ausschweifenden Trinkgelagen hingab, bewarf sie ihn gelegentlich vor Wut mit Tellern und Krügen. Sie war zudem schlau und ihrem Mann intellektuell überlegen. Nicht nur das Herzogtum Preußen brachte sie mit in ihre Ehe, sondern auch Ansprüche auf die vereinigten Herzogtümer Jülich, Kleve, Berg, die Grafschaften Mark und Ravensberg sowie die Herrschaft Ravenstein im Westen des Landes. Bei den Verhandlungen um die Erbfolge saß sie mit am Tisch, setzte sich erfolgreich gegen ihre Konkurrenten durch und musste ihre Rechte am Ende lediglich mit den Fürsten von Pfalz-Neuburg teilen. Im Vertrag von Xanten wurden Brandenburg 1614 zusätzlich zu Preußen die Herrschaften Kleve, Mark und Ravensberg zugesprochen.
Selbstredend kam die eigenwillige Anna auch ihren Fähigkeiten als Lebensstifterin nach. Sie gebar acht Kinder, von denen die drei Jüngsten allerdings kurz nach der Geburt wieder verstarben.
Doch zurück zum Thema Mitgift: Was für Gedanken müssen die Eltern bewogen haben, wenn ihre Töchter derart ausgestattet von dannen zogen? Wie müssen sie sich gefühlt haben, da sie wussten, dass die Güter, die sie ihnen mitgaben, der eigenen Familie für immer verloren gingen, nicht zuletzt ihr wohlerzogenes, im besten Fall hervorragend ausgebildetes Kind? Und was muss die Tochter empfunden haben, wenn sie ihre Familie zum letzten Mal
sah? Nach außen hin zeigten sie sicherlich Stolz und Freude, doch auch von der Einsamkeit und dem Heimweh, mit denen sich die jungen Bräute zu Beginn ihrer Ehe plagten, zeugen unzählige Korrespondenzen. Nicht allen gelang es, sich vor Ort durchzusetzen. Allein gut ausgebildete Frauen mit einem starken Charakter kamen mit der Herausforderung zurecht und entwickelten sich zu selbstbestimmten, kraftvollen Herrschersgattinnen.
Daher wird im Folgenden keineswegs nur von materiellen Gütern die Rede sein. Eindeutig ist, dass auch oder gerade der Teil der Mitgift den Töchtern zu Rang und Ansehen verhalf, der eher im ideellen, persönlichkeitsstiftenden Bereich anzusiedeln ist: Bildung, Charakterstärke,
Herzensgüte. Gerade daran hat es Preußens Herrschern aufgrund der rigiden Vorstellungen von Erziehung und Strenge in diesem Land immer gemangelt. Die ideellen Mitbringsel der Frauen, die Liebe zur Musik und zur Literatur, die Überzeugung, dass Hilfsbereitschaft unabdingbar ist und Bildung ein Zeichen von Niveau, waren letztlich die Eigenschaften, die dem Land zu Ansehen und kultureller Blüte verhalfen.
Dazu zählt, auch wenn es zweitrangig erscheint, die Art der Erziehung der Kinder, das Zeremoniell und die Umgangsformen, auf die einzelne Herrscherinnen in ihrer Entourage
Wert legten (oder eben nicht!), ihr Stil und ihre Vorlieben, die Einrichtung der Räumlichkeiten und Salons, die Wahl ihrer Gäste, der intellektuelle Austausch mit Denkern aus anderen Regionen und Ländern. Allein durch den intensiven, persönlichen Kontakt Sophie Charlottes zu dem Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) kam dieser auf die Idee, 1700 in Berlin nach englischem und französischem Vorbild eine Akademie der Wissenschaften zu gründen. Nachdem Luise auf Anhieb Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) ins Herz geschlossen hatte und diese Freundschaft sich dem König als Erinnerung an seine geliebte Frau einprägte, erhielt der Künstler selbst über ihren Tod hinaus zahlreiche Aufträge und fand Gelegenheit, seine künstlerischen Ambitionen in Preußen zu verwirklichen. Bis heute prägen seine Bauten das historische Zentrum Berlins.
Das Gute an dem fremden Blick, den die Frauen nach Preußen mitbrachten, war, dass sie vor Ort Tendenzen und Strömungen aufspüren sowie Besonderheiten entdecken konnten, die den Alteingesessenen nicht auffielen. Sie konnten Stile und Neuheiten einführen, die sie aus ihrer Heimat kannten, Wissen nutzen, das dort längst bekannt war. Sie waren diejenigen, die Kleider- und Frisurmoden kreierten, phantasievolle Feste initiierten und stimmungsvolle Konzerte veranstalteten. Sie zeichneten Theateraufführungen und Ausstellungen durch ihren Besuch aus, stifteten Preise und wirkten im gesamten Land und weit über dessen Grenzen hinaus stilbildend und kulturfördernd.
Wenn die Herrscherin starb, weinte das ganze Land. Manch kostbares Grabmal wurde gestiftet, kunstvolle Sargmonumente wurden für sie gefertigt, die wiederum die kulturelle Blüte des Landes spiegelten. Einzelne Königinnen hinterließen Stiftungen und Gelder, die über ihren Tod hinaus soziale Einrichtungen förderten oder Kunst und Künstler unterstützten.
Von all diesen guten und großen Taten soll in diesem Buch ebenso die Rede sein wie von Missgriffen und Ungeschicklichkeiten. Sämtliche 16 Herrscherinnen wurden in Augenschein genommen, die in den letzten dreihundert Jahren bis Ende der Monarchie in das Haus Hohenzollern einheirateten. Angefangen mit Louise Henriette von Oranien bis in die Neuzeit zu Hermine Reuß ältere Linie, der zweiten Frau Wilhelms II. (1859–1941), wird jede der
Frauen einzeln vorgestellt und beschrieben, was sie neben ihrer Tätigkeit als Mutter und Repräsentantin des Landes kulturell zu dessen Fortbestand beigetragen hat. Um ihr Wirken zu versinnbildlichen, wurde jeder Einzelnen die Abbildung eines kunsthistorisch bedeutenden Baus zur Seite gestellt, der unmittelbar mit ihrem Dasein zu tun hat. Geachtet wurde darauf, dass es sich dabei möglichst um Anlagen handelt, die heute noch existieren. Daran lässt sich zeigen, wie lange die Wirkung der Frauen andauerte und Bestand hatte. Einige der genannten Schlösser trugen gerade nach der Wende wieder neu zur Bildung eines kulturellen Selbstverständnisses bei. In Zeiten von Umbrüchen und starken Veränderungen stifteten sie dauerhaft Identität.
Interessant ist, wie unterschiedlich ausgeprägt das Vergnügen einzelner Herrscherinnen an der persönlichen Einflussnahme war und wie stark das jeweilige persönliche Engagement divergierte, unabhängig davon, ob sie gut oder schlecht auf ihre Aufgabe vorbereitet worden war. Eine Ehefrau wie Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach beispielsweise, die mit Wilhelm I. (1797–1888) verheiratet und für die Position einer Regentin exzellent ausgebildet worden war, bewies bei der Erfüllung ihrer Aufgaben kein sonderliches Geschick. Auguste Harrach hingegen, zweite Frau Friedrich Wilhelms III. (1770–1840), traf der Heiratsantrag des Königs vollkommen überraschend. Gänzlich unvorbereitet gelangte sie in die Position einer königlichen Ehefrau. Gerade sie aber führte als Herrscherin eine Kultur des Umgangs miteinander ein, die in seiner Bescheidenheit und Zurückhaltung beispielgebend war. Am ungewöhnlichsten war dahingehend zweifelsohne Luise, doch auch eine Frau wie Friederike Luise überraschte alle Welt nach dem Tod ihres Mannes mit ihrem plötzlich erwachenden Gestaltungseifer. Erst als Friedrich Wilhelm II.(1786–1797) nicht mehr lebte, war sie mental dazu in der Lage.
Louise Henriette von Oranien macht in dem Reigen den Anfang, denn sie sticht in allem hervor. Kaum eine eingeheiratete Herrschergattin hat derart selbstverständlich und bescheiden ihr Wissen, ihr Vermögen und ihre persönliche Charakterstärke genutzt, um dem Land ihres Mannes Gutes zu bringen. Keine andere wusste den Raum, der ihr dank ihrer neuen Position zur Verfügung stand, sinnvoller zu nutzen. Dem Gestaltungswillen solcher Frauen wie ihr ist es zu verdanken, dass die Region, die einst Preußen hieß, bis heute eine fruchtbare und reiche Kulturlandschaft geblieben ist.

  Christine Brühl, Christine Gräfin Brühl, Christine von Brühl, Christine Gräfin von Brühl, Dr. Christine Gräfin von Brühl